Holger Bunk

zu meinen Arbeiten

Als Entwürfe für meine Bilder aber auch als eigenwertige Skizze halte ich meine Bildvorstellungen in Zeichnungen fest. Der Zeichenstrich erschafft die Wirklichkeit der Dinge und entzieht ihnen die Wirklichkeit dadurch, daß Dinge, die eigentlich nicht sein können in dieser Kunstrealität sichtbar werden. Es geht also schon im Entwurf um Auffächerung und Staffelung verschiedener Wirklichkeiten.
Die Auswahl meiner Bildmotive entspricht einer solchen Auffächerung von Realitätsgraden: Wenn ich eine triviale Vorlage abmale, bleibt die Trivialität des Motivs erhalten, die Malerei ist aber eine andere Sache. Die Dissonanz zwischen dem Trivialmotiv und meiner verhältnismäßig aufwendigen Malerei verunsichert die (ansonsten) gängige Geringachtung des Trivialen.
Mir gefällt es, daß das Banale, Irrgläubige, Fehlerhafte so zumindest wieder ein offeneres, (weniger stark moralisch bewertetes) Verhältnis zum Komplizierten, Differenzierten, Logischen bekommt, und daß die Angst vor dem schlechten Geschmack überwunden wird.
Der James-Dean-hafte Fotoheld und der hl. Sebastian (für mich ist z.B. Sebastian nicht nur ein christlicher Märtyrer, sondern der Martyrer der perspektivischen Malerei = von Bicken wie von Pfeilen durchbohrt fallen in meinem Bild in eins zusammen. Sie kommen nicht mehr aus verschiedenen Welten, die sich nichts zu sagen haben.
Für mich als Maler geht der Versuch, die Bildgegenstände in Kommunikation zu bringen bis in die Mittel der Maltechnik: Grisallle-Untermalung liegt offen neben Ölfarbe, Primamalerei neben Lasur, Ich versuche nicht nur die Bildmotive, sondern auch die Eigenschaften der Bildmittel für sich bestehen und doch aneinander teilhaben zu lassen.
Holger Bunk, Juni 82

Kuratiert von Hermann Gabler.

Sergey Bratkov: Menschen im Bunker

Mit seiner Schau „Menschen im Bunker“ wird der russische Künstler Sergey Bratkov einen zugleich umfassenden und detaillierten Einblick in sein breit angelegtes Werk bieten. Wie der Titel der Ausstellung bereits nahe legt, reagiert Bratkov dabei spezifisch auf die besonderen Gegebenheiten des Ausstellungsortes kunstbunker.

Sergey Bratkov wurde 1960 in Charkov (Ukraine) geboren. Sein Werdegang und seine künstlerische Entwicklung wurden deutlich geprägt von den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Osteuropa. Erst in den letzten Jahren wurde Bratkovs Ouevre durch Teilnahme an international renommierten Gruppenausstellungen, darunter auch die Biennalen von Sao Paolo (2002) und Venedig (2003), dazu der Manifesta 5 im portugisischen San Sebastian (2004) einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Der Künstler hat ausserdem weltweit in einer Reihe von Institutionen und Galerien Einzelausstellungen eingerichtet. Um so mehr freut es uns, Sergey Bratkov in einer so umfassenden und speziellen Weise im kunstbunker präsentieren zu können. Sergey Bratkov lebt und arbeitet heute in Moskau.

Eine der zentralen Grundlagen in Bratkovs Werk bildet schon seit seiner Charkover (Studien-)Zeit der sogenannte Dokumentarismus, eine künstlerische Praxis, die von Literaten und Künstlern im Untergrund betrieben wurde. Heute lotet Bratkov vor allem im Medium der Fotografie aber auch mittels Video und in verschiedenen Installationsformen die Differenz zwischen dem Dokumentarischen und der (künstlerischen) Inszenierung aus. Der Zusammenhang von Wirklichkeit und ihrer Konstruktion steht immer wieder im Mittelpunkt der komplexen Werkgruppen des Künstlers.
Diese können etwa die Form der Reportage zitieren oder als poetisch analytische Bilderzählungen konzipiert sein. Er selbst kommentiert dazu: „Das Benehmen eines Fotografen ist immer fragwürdig. Entweder inszeniert er und betrügt, weil Fotografie immer Anspruch auf Objektivität erhebt, oder er beobachtet heimlich und wird dadurch zum Voyeur.“ Damit steht aber auch der Standort eines jeden Betrachters wieder und wieder zur Disposition.

Kuratiert von Ekaterina-Shapiro Obermair und Wolfgang Obermair.

Euen McDonald / Robert Smithson

Euan Macdonald (Jg. 1965, lebt und arbeitet in Los Angeles/CA) lenkt den Blick aufs Beiläufige, Unbemerkte. Mit seiner Videokamera hält er Ephemeres fest, fixiert kleine Alltagsereignisse: etwa einen Ball, der vom Wind sanft bewegt, in einer Pfütze treibt oder die Schattenspiele von Palmen an einem befahrenen Highway. Mit seinen Aufnahmen gelingt es dem Künstler, die Welt im Kleinen darzustellen, sie in filmische Embleme von unmittelbarer Einsichtigkeit zu übersetzen.

Die Ausstellung konfrontiert Arbeiten Macdonalds mit Robert Smithsons Film „The Spiral Jetty“ (16mm, USA/1971). Hier weitet der „Land Art“-Künstler und Vorläufer konzeptueller Praktiken den Fokus vom Skulpturalen, dem nur temporär sichtbaren earthwork „Spiral Jetty“, aus auf das Medium Film (ebenso wie auf Text).

„eclipse + other chance appearances/The Spiral Jetty“ versucht anhand zweier höchst spezifischer künstlerischer Ansätze die Begriffe des Emblems bzw. des Monumentalen in Form eines ephemeren, flüchtigen Aufscheinens zur Diskussion stellen und will generell Methoden von Bedeutungsproduktion befragen.

Kuratiert von Hans-Jürgen Hafner, Organisation Hermann Gabler.

plafond blanc / eaux d´artifice – Kenneth Anger

Anger, in den 50er Jahren bekannter amerikanischer Undergroundfilmer, besitzt mittlerweile Kultstatus und ist Gegenstand von Lehre und Forschung (anschließend an die Aufführung im kunstbunker fanden Seminare an den Kunstakademien in Nürnberg und Wien statt).
Der Film konnte in Kooperation mit dem Filmhaus ausfindig gemacht und in den USA geliehen werden.
Die Präsentation erforderte hohen technischen Aufwand, so z.B. Erzeugung und Choreographie eines Bodennebels. Die Präsentationskonzeption beinhaltete den sichtbaren Projektionsvorgang, er „lag offen“, trotzdem waren die Räume in ein mystisches Fluidum mit verunklärten Grenzen transponiert, in einer Art Erweiterung der im Film vorherrschenden Atmosphäre. Die Reaktion der Besucher auf die reale Raumdichte des Bunkers und das Verfließen des sich ständig verändernden Nebelschwaden mit den projizierten Räumen des Films, war „verzaubert“ bis kontemplativ.

Kuratiert von Hermann Gabler und Wolfgang Obermair.

p+t, Kunst in Franken

p+t, Kunst in Franken 2003
Räume und Installationen der Künstlerinnen Claudia Kugler, Christine Clara Oppel, Stefanie Pöllot, Oliver Boberg, Ulrich Brüschke, Markus Freidl

Vollrad Kutscher (Gastausstellung der Stadt Nürnberg)

Für den in Frankfurt lebenden Künstler Vollrad Kutscher ist Licht der liebste Farbstoff und die Finsternis sein bevorzugter Malgrund. Das Individuum und die Gesellschaft, Identität, Ethik, Schönheit und Moral gehören zu den Themenkomplexen des Künstlers. Seine frühen Arbeiten sind geprägt durch die Suche nach der eigenen Identität, seine jüngeren Arbeiten beschäftigen sich zunehmend mit Fragen von Schönheit und Ethik,mit der Verquickung von Geld, Macht und Erotik. Dabei werden die Fragwürdigkeiten des Kunstbetriebes ebenso zum Thema wie etwa die wachsende Fremdenfeindlichkeit. Vollrad Kutscher gehört zu den Protagonisten der Grenzüberschreitung zwischen „ernster“ und „unterhaltender“ Kunst.Pendelnd zwischen der Intimität der Miniatur und dem Großauftritt des Monuments, zwischen Vordergründigkeit des Spiels und Hintergründigkeit des Symbolischen, verbirgt er seine Sinnstiftungen gern unter dem Gewand der leichten Musen.

Unter dem Titel „Rendezvous“ projiziert Vollrad Kutscher in der „Blauen Nacht“ fünf berühmte Nürnberger Paare auf Wände und Mauern. Albrecht Dürer und seine Mutter am Tiergärtnertorplatz, Peter Vischer und Adam Kraft an der Spitalinsel,Willibald Pirckheimer und seine Schwester Caritas an der Mauthalle, Anselm Ritter von Feuerbach und Kaspar Hauser am Frauentorgraben und Ludwig Erhard und Max Morlock am Wespennest.

Außerdem zeigt Vollrad Kutscher, der unter anderem mit Fotografie,
Fotogramm, Licht und Videoprojektion, Skulptur, Malerei und Zeichnung,
Raum- und Klanginstallation,Film und Performance arbeitet, einen
Ausschnitt seines Gesamtwerkes im Kunstbunker im Bauhof.

 

Feng Mengbo – Phantom Tales

Der Beitrag des Kunstbunkers zur Blauen Nacht 2003 sind die Phantom Tales – drei „Diavorträge“ des chinesischen Künstlers Feng Mengbo, geb. 1966, wohnhaft in Peking.

Während seiner Kindheit und Jugend war die kommunistische Kulturrevolution auf ihrem Höhepunkt. Für die Phantom Tales ließ er sich durch Geschichten und Unterhaltungsformen inspirieren, die er aus seiner Kindheit kennt. Jede dieser drei Animationen basiert auf einem Buch:

One Silver Dollar basiert auf einem gleichnamigen Bilderbuch, herausgegeben vom Politbüro der Einheit 1505 der chinesischen Volksbefreiungsarmee, verlegt von Peoples Art Publishing House, 1972

The Bloody History of The Three Stones basiert auf dem Bilderbuch mit dem gleichen Titel, herausgegeben vom Three Stones Historymuseum des Tianjin Hongquiao-Distrikts

The Technology of Slide Shows basiert auf einem Buch mit dem Titel „Wie man Diavorträge macht und präsentiert“, zusammengestellt vom Politbüro der Shenyangtruppe der Volksbefreiungsarmee, herausgegeben vom Chinese Film Publishing House, 1982.

Dies ist im Prinzip ein technisches Handbuch, das verschiedene Techniken erklärt, wie man mit allgemein erhältlichen und auch finanziell günstigen Technologien Animationseffekte für Diapräsentationen erzielen kann. Die im Buch verwendeten Bilder sind als Beispiele gedacht.

Feng Mengbo´s Projekt ist auch im Internet zu sehen. Es wurde in Auftrag gegeben von der Dia Art Foundation in New York. Die Installation von Phantom Tales im Kunstbunker, Nürnberg verbindet den virtuellen Raum des World Wide Web buchstäblich mit der körperlichen Welt von Kunstwerken in öffentlichen Einrichtungen wie dem Kunstbunker. Die Installation von Phantom Tales im Kunstbunker thematisiert Fragen zum öffentlichen Raum in Zeiten des World Wide Web.

Die meisten Kunstbunkerbesucher der Blauen Nacht werden die Phantom Tales noch nicht vom Internet kennen und sie das erste mal in der Atmosphäre des Kunstbunkers erleben. Obwohl Mengbo angibt daß es ihm nicht um politische Kritik geht, kommt man nicht drum herum die kulturhistorischen Inhalte dieser Zeit in China politisch zu sehen. Die Frage stellt sich, was bedeuten solche mythologische auf den ersten Blick eigenartige Popinhalte von Krieg und Befreiung wie sie in den Phantom Tales erscheinen, wenn wir sie sowohl zu unserem Bild von der Kulturrevolution in China wie auch zu unserer eigenen Gegenwart und Erinnerung in Beziehung setzen.

Kuratiert von Hermann Gabler und Wolfgang Obermair

Surveilance Camera Players

S.C.P. entwickelten zahlreiche Aktionsformen, u.a. die mittlerweile legendären „Camera-Walks“.
„It´s O.K., officer“ bedient sich des Plakat-Theaters, das vor an öffentlichen Orten installierten Überwachungs-kameras aufgeführt wird. Zum Publikum sucht es sich zufällige Passanten und, diesen oft konfrontierend, das Sicherheitspersonal an den zugehörigen Kontrollmonitoren.
Die S.C.P., deren Mitglieder sich im Zwischenbereich von künstlerischer Performance und politischer Aktion ansiedeln, beziehen eindeutige Position gegenüber der fortschreitenden Überwachung öffentlicher Räume. Der ständig wachsenden Präsenz und dem Einsatz der Kameras möchten sie begegnen, indem sie auch hier in Nürnberg das fundamentale Menschenrecht auf Privatsphäre durch ihre Aktion ins Bewußtsein rückten.
Dem Zug durch die Innenstadt folgte am Abend eine Werkschau im kunstbunker mit anschließender Diskussion, in der sie sich als Teilhaber einer in den USA sehr präsenten Richtung vorstellten, die künstlerische Ausdrucksformen mit politischem Bewußtsein verbindet

Rob Johannesma – Videoarbeiten

Die in Janneke Wesselings Katalog-Text „Die Nähe einer Weite“ angesprochene Rückführung des Betrachters auf sich selbst durch die unbedingte Stringenz der Videos von Rob Johannesma erfährt ihre Entsprechung mit einer 3. Dimension, die der Ausstellungsraum unter der Erde hinzufügt.
Der kunstbunker, immer wieder als brachialer Ort von Bedeutung und architektonischer Materialität bezeichnet, ordnet sich dem Atmen, dem kinästhetischen Fluidum der Arbeiten unter, wird geradezu vergessen über den Raumempfindungen, die sich durch das „Eigenleben der Projektionen“ ausbreiten und die vorangegangenen ersetzen.
Ausgangsmaterial für seine Videoarbeiten sind für Rob Johannesma Fotografien und Videostills von Landschaften, die er mit der Videokamera abfilmt. Während in früheren Arbeiten die Wahrnehmung des Betrachters durch die Kamerabewegung manipuliert wurde und der eigene Wahrnehmungsprozess in den Vordergrund rückte, spielt in neueren Videos die Frage „wer betrachtet was“ die zentrale Rolle……Die Kamera bewegt sich eine halbe Stunde langsam über ein farbiges Bild eines Geysirs, das bewegungs-lose und leblose Natur zeigt. Das Kreisen der Kamera über der Oberfläche wird zu einer ziellosen und nicht endenden Suche nach der idealen Position. Der Zuschauer verfolgt diesen Prozess, bis ein schwarzer Schatten im Bild auftaucht und ein Wechselspiel zwischen Identitäten und Realitäten beginnt. Blickt jemand über die Schulter einer anderen Person auf die Natur? Oder ist es der Schatten des Zuschauers? Wer betrachtet was?

Fällt die Form des Schattens mit der Struktur und den Schatten der Natur im Bild zusammen, erweckt er für einen Moment den Eindruck, als ob eine Person neben dem Geysir steht. In anderen Momenten überdeckt der Schatten den Großteil des Bildes und veranschaulicht, dass es sich nur um eine Illusion von Natur handelt.

Der Schatten ist als imaginärer Betrachter weder Bestandteil des Ausstellungsraumes noch der Landschaft. Wenn er im Bild erscheint symbolisiert er den langsamen Übergang zwischen verschiedenen Realitäten: die Abbildung von Realität in der Fotografie, das Abfilmen dieser Realität und die Realität des Betrachters im Raum mit seinen Erfahrungen. Und er nimmt die Hoffnung des Betrachters, dass die Natur sich doch noch bewegen wird – oder die Hoffnungslosigkeit, dass sie sich nie bewegen wird. Es ist, als ob eine Osmose zwischen unbewegtem und bewegtem Bild vollzogen wird, langsam, aber auf keinen Fall bewegungs-los…..(Zitat)

Kuratiert von Hermann Gabler.