TORSTEN SLAMA – Learning from Progress

Eröffnung am Mittwoch, den 26. August 2026, 19 Uhr

Nachrufe auf verstorbene Künstlerinnen und Künstler bilden heute einen wesentlichen Teil des Diskurses über zeitgenössische Kunst, weisen aber nicht etwa auf einen Generationen-, sondern einen Epochenwechsel hin. Der frühe Tod des Künstlers Torsten Slama 2023, der zu seinen Lebzeiten für viele ein wichtiger Einfluss war, blieb irritierenderweise von dieser Tendenz unberührt und wurde eigentlich nur in dessen engerem Umfeld, bei seiner Familie, bei Freund*innen und Kolleg*innen wahrgenommen.

Torsten Slama (1967-2023) war Maler und Zeichner. Der Künstler bezog aber schon früh die moderne Kultur der Maschinen und vor allem die neue Technologie des Computers als sein künstlerisches Bezugsfeld ein. Digitale Technologien begriff er als eine dringende intellektuelle, kreative und psychische Herausforderung, mit Konsequenzen, die ihn weit über das Künstlerische hinausführten. Slamas künstlerische Praxis lässt sich im Rückblick kaum von Tätigkeiten abgrenzen, die seinem Broterwerb dienten – etwa bei seiner Gestaltung von Erscheinungsbild und Benutzeroberfläche der heute weltweit führenden digitalen Musiksoftware Ableton Live zu Beginn der 2000er Jahre. Seine delikaten Entwurfszeichnungen der Bedienelemente haben sich im Nachlass erhalten und gehören trotz (oder wegen) ihres außerkünstlerischen Ursprungs zu den wichtigen Exponaten dieser Ausstellung.

In der Nürnberger Schau soll Slama als Widersprüche nicht scheuender, sondern suchender Geher vieler Wege in und neben der Kunst vorgestellt werden. Es geht darum, sein Werk für eine weit tiefergehende Beschäftigung zu empfehlen, als das zu Lebzeiten des Künstlers stattfand. Denn sein vorrangig in Zeichnung und Malerei angesiedeltes Werk birgt viele Arbeiten, Projekte und Vermittlungsweisen, die über ein gewöhnliches Malerleben hinausgehen: digitale Animationen, plastische Werke, eigene und im Auftrag realisierte Grafikdesigns, Soundarbeiten, Installationen, Texte und Vorträge. Dazu zählte im Laufe seines Lebens auch eine Reihe künstlerischer Zusammenarbeiten, etwa mit Kai Althoff, Katja Davar oder Katharina Wulff.

Wie uns sein Nachlass zeigt, ist Torsten Slama Protagonist eines Milieus, in dem verschiedene Binde- und Fliehkräfte aufeinander gewirkt haben. Seinem Studium bei Fritz Schwegler an der Kunstakademie Düsseldorf verdanken sich zahlreiche persönliche und professionelle Beziehungen etwa zu Lothar Hempel, Svenja Kreh oder Jan Schüler; Köln als früher und späterer Lebensmittelpunkt brachte ihm wichtige Momente von Anziehung und Abstoßung mit Akteur*innen der rheinischen Kunstszene – und auch mit der damals virulenten Musikszene. Damals begann er auch Installationen, Zeichnungen und Gemälde u. a. in der Kölner Galerie Daniel Buchholz und bei Lukas & Hoffmann in Berlin zu zeigen. Ein legendärer Vortrag zu „Form und Schönheit“ elektronisch erzeugter Musik führte ihn u. a. ans Frankfurter Städel – und 1997 auch in die Kunsthalle Nürnberg.

In den 2000er Jahren setzten sich die Galerist*innen Vera Gliem, Karin Günther und Dennis Kimmerich mit großer Energie für Slamas idiosynkratische Werke ein, die der Künstler zumeist ausstellungsspezifisch in thematischen Zyklen entwickelte und zugleich außerhalb der linearen Zeit, mit Rückgriffen auf entlegene Sci-Fi-Theorien, alternative Architektur- und Technikgeschichte, Kybernetik und Exotismus ansetzte, bei gleichzeitig enormer Sensibilität für politische Dynamiken und gesellschaftliche Zwänge.

Die von Hans-Jürgen Hafner und Clemens Krümmel kuratierte Ausstellung entspringt einem Rechercheprojekt mit dem Ziel, das zu Lebzeiten des Künstlers in zahlreichen Ausstellungen präsente bildkünstlerische Werk erneut sichtbar zu machen, zugleich aber auch in einen Kontext mit den anderen, teils erfolgreich außerhalb der Kunst zur Anwendung gebrachten, teils unartikulierten Aspekten seiner Arbeit zu bringen.

Denn Torsten Slama beschäftigte sich als mit Neugier und Ambition, Scham, Hybris und Selbstzweifeln behafteter, maximalistischer Kulturforscher intensiv mit Psychologie, Soziologie, Utopismus und Dystopismus, apokrypher Spiritualität, Sexualkunde, verwob seine Lektüren mit Stilen, die er der Karikatur, dem Film und der Animation entnahm und erweiterte sie um Theorie und Praxis elektronischer Klangerzeugung und Programmierung, alternativer Geschichtsschreibung, Zukunftsforschung. Es ist ein absichtsvoll hermetisches Themenfeld, das in seinen sorgfältig konstruierten, aber stets rätselhaften, ja beunruhigenden Zeichnungen und Gemälden immer wieder aufscheint und auch in dem Sinn eine Gegenwelt präsentiert, die sich gegen den in den 1990er Jahren durchaus oft praktizierten Kunstausstieg, aber auch gegen künstlerische Milieu- und Szenebildungen richtete. Die Ausstellung versammelt neben einigen privaten Leihgaben vor allem Arbeiten aus dem Nachlass des Künstlers, der bei VAN HAM Art Estate in Köln aufbewahrt wird. Diese Ausstellung könnte ohne die vielfältige Unterstützung zahlreicher Freund*innen und Kolleg*innen, persönlicher und professioneller Weggefährt*innen des Künstlers nicht realisiert werden. Ihnen verdanken sich wichtige Informationen, Hintergründe und Hinweise zu Leben und Werk Torsten Slamas.

Eine Publikation ist in Vorbereitung.

Besonderer Dank gilt Sabine Slama und Ralf Schüller – sowie Renate Goldmann und ihrem Team bei VAN HAM Art Estate. Das mit dem Düsseldorfer Melton Prior Institut (www.meltonpriorinstitut.org) angestoßene Projekt wurde vom Kunstfonds e. V. Bonn großzügig unterstützt.

 

Screening im Rahmen von „…veraendern kann man eigentlich wenig“

kpD, Kamera läuft!, 2004, 32 Min.
Der Film besteht aus fünfzehn ausführlichen Interviews mit prekär beschäftigten Kulturschaffenden in Berlin, die auf einem aktualisierten Fragebogen der militanten Arbeiterbefragungen in Italien der 1960er Jahre basieren. Die Interviews wurden gekürzt und von SchauspielerInnen in einer inszenierten Casting-Situation in Zürich vor der Kamera interpretiert. Der Film macht deutlich, dass die Frage nach der Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen bis heute nichts an Aktualität verloren hat.

kpD (kleines postfordistisches Drama / Berlin) entstand im Rahmen der Ausstellung Atelier Europa, die im Frühjahr 2004 im Kunstverein München stattfand und bestand aus Brigitta Kuster, Isabell Lorey, Marion von Osten und Katja Reichard. kpD richtet den Blick auf den gesellschaftlichen Kontext, in dem sich KulturproduzentInnen heute positionieren müssen, da sie zunehmend zu Rolemodels wirtschaftlicher Privatisierung und einer Ökonomisierung des Sozialen stilisiert werden.
(mehr zu kpD: The Precarization of Cultural Producers and the Missing „Good Life“ by kpD – transversal.at / When the Common Ground Seems Shattered: From Self-Precarisation to Partial Relationality in kleines postfordistisches Drama and Precarias a la Deriva by Sarah Charalambides, Goldsmith College, London)

Michael Franz, I AM YOU, 2018/2024, 25 Min.
Der Film I AM YOU ist eine Suche nach einer Sprache über Kunst. Gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden nimmt Michael Franz dabei eine Situation in den Blick, die er selbst aus verschiedenen Perspektiven kennt: Das Arbeitsgespräch oder Klassentreffen in der Kunsthochschule, „Crit“ und Diskussion dessen was man sieht und darüber, wie man gemeinsam drüber sprechen könnte. Der Film zeigt die Dynamiken, Abläufe und das Vokabular des Gesprächs auch als Teil eines Skripts, das „Kunststudium“ heisst. Dabei spannt sich ein visuelles und sprachliches Netz der Beziehungen und Bezugnahmen auf, bei denen Sprechen und Sprache, Verkörpern und Meinen als Faktoren des Sprechens über die eigene Arbeit hervortreten. Realisiert zusammen mit Studierenden aus Leipzig und Nürnberg, 2018/2024.

Abbildung: © Wolf D. Harhammer, Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Räume, 1973

… verändern kann man eigentlich wenig – Harhammer, Härtl, Nagel, Jurkiewitsch

…verändern kann man eigentlich wenig
Wolf D. Harhammer hat in den 1970er und 80er Jahren ein umfangreiches fotografisches Werk geschaffen, das zu seiner Zeit jedoch nur wenig Beachtung fand. Erst nach seinem 80. Geburtstag wurden seine Fotografien zum Teil „wiederentdeckt“ und im Jahr 2024 in einer Ausstellung im Museum Folkwang in Essen im Kontext fotografischer Positionen aus den letzten 100 Jahren gezeigt, weitere institutionelle Aufmerksamkeit folgte, große Teile von Harhammers Archiv sind jedoch nach wie vor unerschlossen. Von Mai bis Juli zeigt der kunstbunker e.V. Teile einer frühen Serie von 1973 mit über 100 Aufnahmen aus der Kunstakademie Stuttgart. Harhammer hat parallel zur Anfertigung der Aufnahmen eine kleine soziologische Studie durchgeführt, die man bis vor einigen Jahren vielleicht als eine Variante der so genannten Institutionskritik bezeichnet hätte. Er verteilte Fragebögen unter seinen Kommiliton*innen, in denen er sie zu ihrem familiären Hintergrund, ihren Zielen, den Gründen für ihre Entscheidung Kunst zu studieren und Ähnlichem befragt hat. Auf diese Art und Weise künstlerisch zu arbeiten war von der politisch motivierten Infragestellung bürgerlicher Institutionen und Überzeugungen geprägt, die stark im gegebenen historischen Kontext verwurzelt scheinen. Transkripte aller erhaltenen ausgefüllten Fragebögen werden ebenfalls in der Ausstellung gezeigt.

Die so erfolgte Erfassung der unterschiedlichen Motivationen (und Illusionen) bei der Entscheidung einen bestimmten Studiengang zu wählen kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Auf der einen Seite steht die – nach wie vor selten thematisierte – Frage nach dem familiären Hintergrund, der Klassenzugehörigkeit; den Traum vom Aufgehen in der „freien Kunst“ muss man sich, real wie symbolisch, zuallererst einmal leisten können, das gilt heute mehr denn je. Andererseits stellt eine derartige Untersuchung natürlich auch einen Versuch dar, die subjektiven, den Individuen nur zum Teil (oder überhaupt nicht) zugänglichen Motivationen und Phantasmen, die zur Entscheidung für „Kunst“ führten, in Register von Bürokratie und Statistik zu übersetzen – wie vergeblich ein solches Unterfangen aus psychoanalytischer Sicht auch immer erscheinen mag. In der Rückschau, stellen sich auch weitergehende Fragen zur sozialen Reproduktion und zur Persistenz von schon lange als dysfunktional erkannten gesellschaftlichen Konstellationen. Ein Begleitheft zur Ausstellung mit Texten zu den einzelnen Beiträgen soll dazu anregen, Überlegungen zu diesen Fragen weiter zu vertiefen.

Broschüre …verändern kann man eigentlich wenig (pdf)

In der Ausstellung werden die oben beschriebenen Arbeiten von Auszügen aus drei weiteren Fotoserien Harhammers begleitet, die den Fokus auf soziokulturelle Phänomene ihrer Zeit legen. Daneben ist Renate Härtls filmische Analyse der beruflichen Perspektiven von Absolvent*innen von Kunsthochschulen von 1980, die der Ausstellung ihren Titel gibt, zu sehen, sowie Beiträge von Leonie Nagel und Julius Jurkiewitsch, die ähnliche Fragestellungen zum gesellschaftlichen und ökonomischen Status von künstlerischer Arbeit und den Verheißungen und Frustrationen des Kunststudiums aus heutiger Sicht verhandeln. Kuratiert wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Anna Holtz, Wolf Harhammers Tochter, die dieses Projekt überhaupt erst ermöglicht hat.

Der Titel der Ausstellung – „…verändern kann man eigentlich wenig“ – klingt, bezogen auf den Kontext, der hier beschrieben wird, natürlich erst einmal bestürzend negativ, er sagt aber eben gleichzeitig, dass man nicht nichts verändern kann. Die realistische Beschreibung der gegebenen Verhältnisse kann nicht nur dazu beitragen, vorhandene Spielräume besser nutzbar zu machen, sondern perspektivisch auch, diese zu vergrößern.

Ein herzlicher Dank gilt dem gesamten Team des Kunstbunkers und allen, die an diesem Projekt beteiligt waren!

Mit freundlicher Unterstützung der zumikon-Kulturstiftung Nürnberg

 

Ausstellungsinformation/Werkliste/Raumplan (pdf)

Dokumentation bei Contemporary Art Library

alle Fotos (außer, wo anders angegeben): repro-photo.net

Full of Days – Cecilia Bjartmar Hylta, Olga Hohmann und Sofia Duchovny

Eröffnung am 31. Oktober 2025 ab 18 Uhr
Performance von Olga Hohmann ab 18:30 Uhr

Die Ausstellung „Full of Days“ vereint Arbeiten von Cecilia Bjartmar Hylta, Olga Hohmann und Sofia Duchovny: Hohmann präsentiert ein gemeinsam mit dem Komponisten Yannick Wittmann entwickeltes ein Soundstück, während Bjartmar Hylta und Duchovny erstmals ihr fortlaufendes gemeinsames Zeichenprojekt sowie einzelne skulpturale Arbeiten zeigen. Für die Performance von Hohmann entwarf Eva Noeske das Kostüm, der Schlagzeuger Stefan Blüml begleitete das Stück musikalisch.

Ein herzlicher Dank gilt dem gesamten Team des Kunstbunkers und allen, die an diesem Projekt beteiligt waren!
Diese Ausstellung wurde von der zumikon Kulturstiftung und der Stadt Nürnberg unterstützt.

Initiiert von Dominique Gierl

 

Opening on October 31, 2025, from 6 p.m.
Performance by Olga Hohmann starting at 6:30 p.m.

The show “Full of Days“ brings together works by Cecilia Bjartmar Hylta, Olga Hohmann and Sofia Duchovny: Hohmann is presenting a sound piece developed together with composer Yannick Wittmann, while Bjartmar Hylta and Duchovny will for the first time show their ongoing collaborative drawing project as well as singular sculptural pieces. For the performance of Hohmann, Eva Noeske created the costume and the drummer Stefan Blüml was accompanying the piece.

Thanks to the whole team of the kunstbunker and everybody involved with the project!
This Exhibition was supported by zumikon Kulturstiftung and the city of Nuremberg.

Initiated by Dominique Gierl

 

Audio-Recording Performance (Mixcloud)
Score Performance (PDF)

Floorplan (PDF)

Bruch – Splendour

Splendour
Performance von ,Bruch‘- mit Elena Wolff
Samstag, 4.10.2025, 19 Uhr

Der rastlose Geist der Dichterin und Künstlerin Elsa von Freytag-Loringhoven kehrt aus dem Reich der Toten zurück. Auf der Suche nach der flüchtigen Schönheit eines letzten glanzvoll geteilten Augenblicks entfaltet sich ein spekulatives Requiem, in dem unterschiedliche Dimensionen von Präsenz durchwandert und verschiedene Mischungsverhältnisse von Geist und Körper erprobt werden.

Splendour ist eine choreographische Studie über die Poetik von Präsenz als Resultat somatischer wie imaginativer Modellierungen. Ausgangspunkt ist ein Brief der „Baroness“ Elsa von Freytag-Loringhoven an die Schriftstellerin Djuna Barnes aus dem Jahr 1925, der in Form eines autofiktionalen Lamentos eine komplexe wie abgründige Poetik des Selbst als brüchige Schnittstelle unterschiedlicher Zeit- und Welthorizonte entwirft. Gemeinsam mit Choreographin und Tänzerin Martina De Dominicis werden die dort versammelten poetischen Motive als performative Techniken hinsichtlich ihrer Integrationsleistung gegenüber disparaten Erfahrungsschichten und richtungslosen Potentialitäten bearbeitet. Dabei entfalten sich unterschiedliche situative Konstellationen, die jeweils spezifische qualitative Dimensionen von Wirklichkeit hervorbringen. Zwischen gespenstischen Dissoziationen, autoperzeptiven Meditationen, affektiven Erinnerungsbildern, semiotisch codierten Posen, physiognomischen Beschreibungen und taktilen Sensoriken wird emphatische Gegenwart als performativer und relationaler Prozess erfahrbar.

Aufgrund von Erkrankung wird die Performance von Elena Wolff anstelle von Martina De Dominicis präsentiert.

Eintritt frei!

Gefördert durch den Verband freie Darstellende Künste Bayern e.V. im Rahmen der Wiederaufnahmeförderung des „Förderpakets Freie Kunst 2025“ mit Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

o.T. (Archiv)

20. September 2025
16 – 19 Uhr Gesprächsrunde
kunstbunker — was war, was wird
Moderation: Heidi Sill
ab 19 Uhr Vereinsfest 
mit Musik, offen für alle

Eintritt frei
!

Der Begriff „Archiv“ weckt Erwartungen: an Materialität, an Ordnungssysteme, an Spurensicherung. Im Falle des kunstbunker e. V., gegründet 1994 als unabhängiges Forum für zeitgenössische Kunst, geht es jedoch um mehr als nur um die bloße Dokumentation. Vielmehr eröffnet sich – zum nunmehr dreißigjährigen Bestehen – ein Blick auf eine Institution, die sich im besten Sinne als artist-run space versteht: getragen von künstlerischer Praxis, geprägt von konzeptueller Konsequenz und einer bemerkenswerten Widerständigkeit gegenüber Moden, Trends oder lokalpolitischen Vereinnahmungen.In den ehemaligen Schutzräumen unterhalb der Nürnberger Altstadt, einem architektonisch wie atmosphärisch eigenwilligen Ort, wurde in drei Jahrzehnten ein Programm realisiert, das sich konsequent auf gegenwärtige künstlerische Fragestellungen eingelassen hat – nicht selten entlang der Ränder institutioneller Aufmerksamkeit. Neue Medien, Künstlerfilm, Performance – aber auch diese kaum zu fassbare Kategorie der sogenannten artist’s artists – markieren dabei Koordinaten eines kuratorischen Denkens, das weniger auf Repräsentation als auf Relevanz zielt.

Die nun gezeigte Archivveranstaltung, entstanden aus einer intensiven Suche nach bislang kaum aufgearbeiteten Bild- und Dokumentationsmaterial, versteht sich weniger als retrospektive Geste denn als Versuch, Kontinuität als Prozess sichtbar zu machen.

Ein öffentlicher Talk mit ehemaligen Akteurinnen und langjährigen Mitgliedern des kunstbunker bildet den diskursiven Kern der Veranstaltung – ein kollektives Nachdenken über das, was war, und das, was daraus noch werden könnte.

(authored by chatgpt)

Öffnungszeiten:
Do-Sa 16-20 Uhr, So 14-18 Uhr und nach Vereinbarung

Limpe Fuchs

4. Juli
Konzert
Einlass 18 Uhr
Konzertbeginn 19 Uhr
8-12€

5. Juli
Workshop
13-15:30 Uhr
kostenlos nach Anmeldung (office@kunstbunker-nuernberg.org)
Teilnehmer*innenzahl begrenzt

Seit Jahrzehnten ist Limpe Fuchs in der internationalen experimentellen Musikszene unterwegs. Sie hat nach Piano- und Perkussionsstudium in München zusammen mit dem Bildhauer und Klangkünstler Paul Fuchs als Duo ANIMA MUSICA Klangforschung gemacht: Bronze, Steine, Hölzer. Daraus entwickelten sich in 30 jähriger Beschäftigung die Instrumente, die sie heute spielt. Auch klassische Instrumente wie Viola und Bambusflöte sind in das Klangbild integriert. Seit 1989 arbeitet sie als Solistin und Komponistin akustischer und visueller Ereignisse. Trotzdem ist ihr immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen Musikern und Musikerinnen wichtig. Zu nennen sind hier in den 80er Jahren Friedrich Gulda, Albert Mangelsdorff, Barre Philipps, in den 90ern Sebi Tramontana, Ulli Bartel, Georg Karger und experimentelle Musiktheaterproduktionen die vom Münchner Kulturreferat unterstützt wurden. Zurzeit spielt sie im Duo mit Pit Holzapfel, Posaune, Jacques Foschia, Bassklarinette, Valérie Vivancos, Stimme, Electronic, Mark Fell Electronic und im BFGH Quartett mit Limpe Fuchs p, Pit Holzapfel pos, Elmar Guantes db, Zoro Babel dr.
weitere Informationen: www.limpefuchs.de

Workshop: Spielen in der Klanginstallation von Limpe Fuchs
3 Pendelsaiten – in einem 3 Meter hohen Gestell ist eine Resonanztrommel aufgehängt. In der Mitte ist ein unterschiedlich langer 1mm starker Piano Saitendraht befestigt an dem ein gebogener Bronzestab hängt, ein Lithophon aus 24 Serpentinit Klangplatten, 4 Röhrentrommeln, 1 Snare Drum, 1 Pedalpauke, 1 Blechtrommel, Holzspiel mit 15 Klanghölzern,.
Ziel des Workshops ist es, die Möglichkeiten der Instrumente kennenzulernen. Nach einer Einführung und einer Phase des allgemeinen Ausprobierens leitet Limpe Fuchs die einzelnen Improvisationen. Wechsel von Spielen und Zuhören. Nonverbale Kommunikation durch Klang.

Plakatdesign: Kira Krüger/Foto: Judith Buss

Jonas Roßmeißl – The Otolith Group

Eröffnung Mittwoch 30. April 2025, ab 19 Uhr

Jonas Roßmeißl / Sechs Skulpturen

Setzt der Begriff der Skulptur traditionell materielle, formale und thematische Geschlossenheit voraus, die dem jeweils ausgewählten Rohmaterial, egal ob Marmor oder Lindenholz, bildhauerisch zu entbergen wäre, rückt bei den Skulpturen von Jonas Roßmeißl eher das Zusammengesetzte, Additive und Kombinatorische in den Vordergrund – mit der Naht in einer zentralen Funktion, die eher den Vergleich mit dem prototypisch modernen Prinzip der Collage nahelegt. Tatsächlich vernäht Roßmeißl in seiner bildhauerischen Praxis nicht nur Materialien verschiedener Herkunft, sondern auch Herstellungs- und Verwendungsweisen, die ihrerseits in unterschiedliche Richtung weisen. Da geraten technisch komplexe Objekte aus der Informations-, Medizin- oder Waffentechnik – ein Flatscreen, ein kryotechnischer Behälter oder eine Blendgranate – mit buchstäblich „rohem“ Embryonenmaterial, Lötmetall oder Wachs aneinander, wobei nicht immer leicht zu entscheiden ist, was Ergebnis der künstlerischen Bearbeitung, outgesourcte Fertigung oder schlicht ausgewähltes und in die jeweilige Skulptur integriertes Produkt ist.

Das weist auf einen zentralen Problemkreis hin, den der fränkische Bildhauer künstlerisch bearbeitet und der vielleicht am ehesten als das Material seiner Skulpturen bezeichnet werden kann: die verschiedenen Formen, Hintergründe und Effekte von Arbeit, deren Grenzen – etwa zwischen materieller und immaterieller Arbeit, individuellem und gesellschaftlichem Tun, Selbst- und Fremdbestimmung – selten scharf zu ziehen sind.

Spätestens mit dem Duchamp‘schen Readymade ist das Problem der „Arbeit anderer“ in die Sphäre der ihrerseits aus der Kunst des Handwerks hervorgegangenen „bildenden“ Kunst eingegangen, ohne dass sich der eigenhändige Anteil künstlerischen Schaffens je erledigt hätte – während die „Produktion“ der Kunst immer schon der Effekt gesellschaftlicher Arbeit war. In diesem Sinne wäre Roßmeißls Bildhauerei eine, die ihr Material aus den sichtbaren und unsichtbaren, wertgeschätzten und unbewerteten Formen von Arbeit findet und diese als Form und Thema der Skulptur freilegt, die bekanntlich von allen Seiten begutachtet werden kann.

Im kunstbunker – forum für zeitgenössische kunst e. V. präsentiert Jonas Roßmeißl (Jg. 1995) sechs Skulpturen. Der Künstler lebt und arbeitet in Uttenreuth.

 

The Otolith Group / Anathema

Anathema (rel., phil.) – der Fluch, der Gräuel, die Verfluchung, das Anathema

Anathema (2011, HD-Video, 37 Minuten, Farbe, Ton) von the Otolith Group ist ein psychedelisches Video, das, ausgehend von der Betrachtung der physikalischen Abläufe in LCD-Touchdisplays, den Begriff des Netzwerks und seine sozialen und ökonomischen Implikationen untersucht.

„Das Ziel der kapitalistischen Zauberei ist es, eine Art Betäubung herbeizuführen, eine Lähmung der Handlungsfähigkeit und der Vorstellungskraft, die eine Raserei der Pseudo-Aktivität keineswegs ausschließt – eine unaufhörliche Tretmühle von Arbeit und Konsum, aber auch von Kommunikation, die nun ebenfalls sowohl Arbeit als auch Konsum ist. Der Zauber wirkt auf das, was wir für die Wirklichkeit selbst halten. Seine Hauptfunktion ist in der Tat ein Verfahren der ontologischen Begrenzung, eine Reduktion aller verfügbaren Realitäten auf die vom Kapitalismus formatierten: die berühmte Alternativlosigkeit.“ (Mark Fisher, Digital Psychedelia: The Otolith Group’s Anathema)

The Otolith Group wurde 2002 in London von Anjalika Sagar und Kodwo Eshun gegründet.

The End of the End of Selling Out

Samstag, 26. Oktober 2024 ab 18 Uhr Screening und Talk: The Target Shoots First (Dir. Chris Wilcha, USA 1999), Diskussion mit Christian Flamm, Mike Sperlinger und Hans-Jürgen Hafner

Samstag, 26. Oktober 2024, ab 22 Uhr „The End of The End of Selling Out“ DJ-Set Christian Flamm @ Saigon Bar

Öffnungszeiten im kunstbunker:
Beginn: 25. Oktober 2024 um 19 Uhr
Samstag: 26. Oktober 2024, von 16-22 Uhr geöffnet,
DJ-Set ab 22 Uhr @Saigon Bar
Sonntag: 27. Oktober 2024, 14-18 Uhr

Wir laden Sie herzlich ein zu einem Wochenende mit Filmen u. a. von Stephanie Beroes, Christian Flamm, Paul Kelly, Robert Longo und Chris Wilcha, einem Screening sowie einem DJ-Set ein, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema des künstlerischen Sell-outs beschäftigen.

Für den Weekender „The End of the End of Selling Out“ über Höhen und Tiefen der Untergrundkultur greifen der Autor und Kurator Mike Sperlinger und der Künstler Christian Flamm ein gemeinsames Projekt mit dem Titel „The End of Selling Out“ auf, das ursprünglich im Rahmen von Flamms Ausstellung im Künstlerhaus Stuttgart im Jahr 2018 stattgefunden hatte. Am Wochenende von 25. Bis 27. Oktober 2024 werden in den Räumen des kunstbunker eine Reihe Filme in Dauerschleife gezeigt, die sich mit der Ethik und Ästhetik des Ausverkaufs in Musik und Kunst auseinandersetzen. Am Samstag, den 26. Oktober findet ab 18 Uhr eine Vorführung von Chris Wilchas „The Target Shoots First“ (2000) geben: die legendäre Dokumentation über ein Leben an der Spitze der Corporate-Music-Industrie der 1990er Jahre. Im Anschluss findet ein Gespräch zwischen Flamm, Sperlinger und Hans-Jürgen Hafner statt.

Ebenfalls am 26. Oktober legt Christian Flamm ab 22 Uhr in der Saigon Bar ausgewählte Singles mit musikalischem Bezug zum Thema auf.

Die Veranstaltung wird von der zumikon Kulturstiftung großzügig unterstützt.

Listening Session Ultra-red

WHY CONTINUE?
Listening Session und Diskussion mit Ultra-red (USA/UK)

Samstag 19.Oktober 2024, 14-18 Uhr
Eintritt frei

dodging therapy by talking about self organized cultural spaces and funding
dodging therapy by working through funding documents
dodging therapy by discussing a self organized cultural landscape

Ultra-red
Ultra-red (USA/UK) ist ein Kollektiv, das seit seiner Gründung im Jahr 1994 an der Schnittstelle von Kunst und Aktivismus arbeitet. Bekannt für ihre interdisziplinäre Herangehensweise nutzen sie Klang als Werkzeug, um soziale und politische Fragen zu erforschen. Ihre Arbeiten umfassen Performances, Installationen und partizipative Projekte, die sich oft mit Themen wie Migration, Rassismus und urbanen Transformationen auseinandersetzen.

Sound Objects
Vom 16. bis zum 18.10. sammeln Ultra-red mit Personen der Nürnberger Kulturlandschaft Sound Objects, am 19.10. wollen wir sie öffentlich diskutieren. Sound Objects sind Tonaufnahmen, deren Herstellen Teilnehmende dazu einlädt, durch das bewusste Zuhören und das Sammeln von Klängen eine tiefere Verbindung zu sozialen und politischen Themen herzustellen. Sie dienen als Auslöser für Diskussionen und Reflexionen und ermöglichen es uns, unsere Wahrnehmung zu schärfen und neue Perspektiven auf bekannte Fragen zu gewinnen.

Fragen
Dieses Jahr markiert das 30-jährige Jubiläum des Kunstbunker e.V. Zu diesem Anlass haben wir darüber gesprochen, was war, was ist, was nicht war und was sein könnte oder sollte und fragen uns:
Wie wird Kultur in Nürnberg unter welchen Bedingungen organisiert?
Wofür wird Kultur in Nürnberg organisiert?
Wofür soll Kultur in Nürnberg in Zukunft organisiert werden?
Was fehlt, wenn Kultur fehlt?
Wofür wird sich organisiert?
Warum organisieren wir (uns)?
Warum machen wir weiter?
Why continue?