Ausstellung zur Blauen Nacht
Autor: mfkubuokok
Johan van Oord
Kuratiert von Hermann Gabler.
Accident – John Smith
Kuratiert von Hermann Gabler.
Inside the Tree / The Tree Inside
Monika Baer, Carter, Brice Dellsperger, Claudia Kugler Achim Sakic, Alex van Warmerdam
Kuratiert von Claudia Kugler.
Es kann ja immer alles Mögliche passieren. Aber wenn etwas in einem bestimmten Raum passiert, hängt das zum Beispiel damit zusammen, wo dieser Raum ist bzw. wie er beschaffen ist. Wenn wir vom Innen sprechen, setzt das ein Äußeres voraus. Das wird gerne vergessen. Aber selbst, wenn wir uns darüber im Klaren wären, ist das nur die halbe Miete. Was Innen passiert, hängt mit dem Äußeren zusammen und schließt sich dennoch dagegen ab. Sich einzuschließen heißt aber nicht, dass automatisch etwas passieren muss.
Kunst bildet einen Raum. In sich und für sich. Ein Raum, der deshalb aber nicht frei ist von Bedingungen.Ein Raum, der von den Verhältnissen bestimmt ist. Deswegen stellen sich manche Fragen immer wieder neu. Etwa, wo sich Kunst lokalisiert, und, wie sie das macht. Welchen Raum künstlerische Arbeiten einnehmen können. Und welche Räume sie beinhalten bzw. öffnen. Wir möchten verstehen, wie es um die Realitäten innerhalb von Kunstwerken bestellt ist. Oder wie sich die Realität der Kunst zur Wirklichkeit, deren Teil sie ist, verhält.
Jedes Kunstwerk ist zwar Teil dieser Welt und verhält sich dazu, zum Beispiel auf der Ebene des Materials und der Stoffe, der Art ihrer Herstellung oder Vermittlung. Gleichzeitig will ein Kunstwerk einen Raum aus dieser Wirklichkeit heraus stülpen. Die Begründung dafür kann nur über die Arbeiten, in den Werken selber passieren. Künstlerische Arbeit erzeugt, Kunstwerke umreissen und definieren den Raum, in dem es – ganz unterschiedlich in Absicht, Mitteln und Effekt – zur Sache geht.
Kunst ist nicht autonomer als Du oder ich. Aber wie sich ein Kunstwerk zur Wirklichkeit verhält und was seine Realität ausmacht, das ist zweifach zweifach. Don Quichote ist nichts anderes als ein Bild. Aber Windmühlen sind bekanntlich Riesen. Das Innere eines Baums muss nicht im Baum selber zu finden sein.
Die Gruppenausstellung Inside The Tree/The Tree Inside setzt den Fokus weniger darauf, was Kunstwerke sind, sondern was in ihnen sein, was darin passieren kann. Ein gemalter Stoff, eine digitale Erfindung, eine bühnenhaft-skulpturale Inszenierung sind keineswegs nur Form. Und der Inhalt gezeichneter Vitrinen, die Handlung eines filmischen Remakes, das Porträt einer Innenschau sind weniger wirklich Inhalte als reale Bilder möglicher Stoffe. Inside The Tree/The Tree Inside befasst sich deswegen mit der zweifachen Realität, der doppelten Wirklichkeit künstlerischen Tuns.
Die Ausstellung ist nach Merry Go Round (Projektraum der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart,2006) und Im Lichte milder Verklärung (Galerie Kienzle & Gmeiner, Berlin, 2008) letzter Teil einer von Claudia Kugler kuratierten Trilogie über Strukturen und Wirkungsprinzipien von Kunstwerken.
(Hans-Jürgen Hafner)
Between What I See and What 1 Say
…
between what is
and what is not.
It weaves
and unweaves reflections.
Poetry
scatters words on our eyes.
Eyes speak,
words look,
looks think.
To hear
thoughts,
see
what we say,
touch
the body of an idea.
Eyes close,
the words open.
(Octavio Paz, A Tree Within)
Besprechung in den Nürnberger Nachrichten.
Brice Dellsperger / Body Double
Kuratiert von Hermann Gabler.
Georg Winter / Stefan Burger – Dürrer
Kuratiert von Peter Wendl.
Die Ausstellung lässt sich mit einem Wort von James Hutton einleiten. Hutton war erfolgreicher Geschäftsmann Ende des 18 Jahrhunderts: Er verabschiedete sich jedoch aus der Wirtschaft, als er es sich leisten konnte – eine Sache, die anscheinend gar nicht so leicht ist.
Hutton jedenfalls betätigte sich fortan als Amateurgeologe.
Er stellte die Theorie auf, dass Berge durch Hitze entstehen – was zumindest im Angesicht eines Vulkans eine gewisse Wahrheit haben mag.
Warnend und auch ein wenig einschränkend für seine teils recht gewagten Thesen räumt er jedoch ein : „The earth is very old“
Damit bezieht er sich jedoch nicht nur auf die unglaublich langen Zeitspannen, die es ihm etwa unmöglich machen, die Kontinentaldrift oder Erosionsprozesse zu beobachten.
Vielmehr dient ihm sein Sinnspruch als Steilvorlage zum lyrischen Exkurs, etwa wenn er feststellt: There’s no vestige of a beginning, no prospect of an end.“ [James Hutton, 1795] Es gibt keine Überreste vom Anfang und keine Vorausschau aufs Ende.
In diesem Zustand der zeitlichen Verlorenheit und empirischen Geiselhaft gilt es jedoch nicht zu resignieren und sich Irrglauben oder Heilslehren hinzugeben, sondern man muss angreifen und das Gegenwärtige, – das was da ist – in den Fokus nehmen. Für Hutton bedeutet dies Stichproben nehmen, Probebohrungen setzen. Das ist einerseits hemdsärmelig – so wie man’s ja auch will vom Amateur – zum anderen ist es aber auch ein Plädoyer für die Arbeit an der Antwort.
Frei nach Hutton könnte man sagen: Erkenntnisse sind nicht in Stein gemeißelt, sondern müssen erst aus ihm herausgehauen werden…
Heute rangieren Huttons Schriften nicht mehr am Gipfel der geologischen Diskussion – trotzdem erfährt er als Poet gewisse Würdigung:
Zweihundert Jahre nämlich nach Veröffentlichung seines Forschungsberichts, der im Übrigen den bescheidenen Titel:
„Theory of the earth“ trägt – 200 jahre danach also zitiert ihn die amerikanische Punk-Band Bad Religion, indem sie das
There’s no vestige of a beginning, no prospect of an end
zur Refrainzeile des Songs No Control macht. Etwas deutlicher formuliert findet man Hutton dann auch innerhalb der Strophen wieder:
„History and future are the comforts of our curiosity
but here we are
Rooted in the present day, rooted in the present day
Questions that besiege us in life are testament of our helplessness“
Geschichte und Zukunft sind also die Bequemlichkeiten unserer Neugier, wir aber sind verwurzelt in der Gegenwart und die Fragen, die wir an das Ungreifbare adressieren, bezeugen unsere Hilflosigkeit.
Ich stimme nun ein in den Chor von Bad Religion – nämlich, dass der Tunnelblick auf Geschichte (aber auch der aufs contemporary) etwas mit neugieriger Passivität zu tun hat und dass man zur Beschäftigung in und mit der Gegenwart eine gehobene Verantwortung hat – nicht aber um Geschichten zu produzieren, die gleich der Neugier des Publikums zugeworfen werden.
Sondern vielmehr weil die angesprochene Hilflosigkeit, die sich in den uns belagernden Fragen ausdrückt, nur durch Aktivität aufgelöst werden kann. Ein Modus übrigens ohne den weder Geschichte noch Zukunft denkbar sind.
In ihrem Ausstellungs- oder auch Forschungsdesign ermöglichen es Georg Winter und Stefan Burger dem Besucher nun beiden Aspekten – also dem der Bequemlichkeit und dem der Aktivität – nachzuspüren.
Zum einen findet sich die Dokumentation mancher ihrer Forschungen, die ich hier mal als Bildarchäologie bezeichnen will – zum anderen, gilt es in diesen Bildern, die ja nicht nur als Ikone auftreten, sondern ja erst durch ihren geschichtliche Prozesshaftigkeit und ihrer taktilen Realität zur Ikone wurden und somit überzeitliche Wirksamkeit erhalten haben – diese Bilder also gilt es als Faustkeil für eigenes Forschen anzupacken.
Ich wünsche daher engagiertes Probebohren und tiefe Erkenntnisse hier in unserem Stollen, dem Kunstbunker.
Patrick Ruckdeschel
Stephan Burger und Georg Winter stellen unter dem Arbeitstitel “Dürrer“ im Kunstbunker Nürnberg aus. Signifikante Arbeiten der jeweiligen Position werden zusammen mit Ergebnissen der situationsbedingten Kooperation gezeigt. In den mageren Zeiten knapper Budgets verzichten beide auf die angebotene Abwrackprämie, ignorieren die Misere und stellen Möglichkeiten vor, wie durch angemessenes Produktions- und Rezeptionsverhalten, „gute Kunst“ gemacht, befragt und wieder verworfen werden kann. Beide Künstler kamen zunächst aus dem harmlosen Feld der künstlerischen Fotografie. Mit geschultem Blick und Übung im Umgang mit Bildorganisation werden skulpturale Versuchsanordnungen zur Erkundung von Wirklichkeit und Kunstproduktion vorgestellt und mit den Beteiligten verhandelt. Der Titel einer Arbeit von Stefan Burger „Sprung ins Leere unter Begutachtung einer Expertenkommission“ lässt erahnen was das Publikum in der Tiefe erwartet. Eine Zusammenarbeit mit dem Kunstbunker in Nürnberg liegt im Sinne einer Wurzelbehandlung Nahe. Gilt der Kunstbunker in Nürnberg doch als eine der sichersten Anlagen für Kunst. Tiefe und Beschaffenheit der Räumlichkeiten werden von Burger und Winter programmatisch genutzt. Schaffen sie es dem Bombardement der Regression zu entkommen?
(Georg Winter)
Rob Scholte
Kuratiert von Hermann Gabler.
VARIATION 2.35.3 / ALPHAVILLE
Raum 1
Mit VARIATION 2.35.3 von Patrick Franke wird eine Serie von Klanginstallationen fortgeführt, die einen Ort durch den Eingriff in ihn thematisieren. Mittels einer 2,35 Minuten langen Komposition oder Collage wird die bespielte Architektur mit nicht eigenem Klang angereichert. Über vier, in den Räumen verteilte Mikrophone, wird der Raum stetig abgehört. Akustische Ereignisse, geformt durch die Architektur, werden aufgezeichnet und laufen in einer zentralen Einheit zusammen. Durch die Eigenschaften der Apparatur und des Programms weiter moduliert, wird der Klang wieder ausgegeben. Als Medien dazu dienen, wie schon bei den Initialklängen, Glasscheiben als Resonanzflächen, bestückt mit einem Signalgeber. Die Intervalle dieser Vorgänge sind in einer Komposition festgelegt – Teil dieser Ereignispunkte sind Zufallsoperationen. Dem Raum werden minimale Geräusche hinzugefügt, als eine Art Kommentar oder temporäres Gedächtnis. Durch die stetigen Wiederholungen der Prozesse wird eine schwankende aber immer präsente Atmosphäre erzeugt.
Raum 2
ALPHAVILLE ist eine Installation mit Chris Markers Fotoroman „La Jetée“ (1962), einer dunklen Geschichte, besessen von Erinnerungen, die sich irgendwo in der Zukunft abspielt. Mit Bildern aus der Vergangenheit wird die Zukunft gezeigt: Passagierflugzeuge, das zerstörte Paris, ausgestopfte Tiere…
Fünf Videomonitore auf getarnten Podesten vor, von der Decke hängenden Fahnen, deren Farbigkeit den Schwarzweißfilm unterschiedlich tönt. Die Grenze zwischen den “Videoskulpturen” und Besuchern wird vage. Diese können sich körperlich und innerhalb Markers Film bewegen. Ein Raum des kunstbunkers gefüllt mit zirkulärer Zeit, der Ursache und Wirkung in die Schwebe bringt.
Video La Jetée Michigan State University
Clip:
Berlin – Anfang und Ende
André Butzer, Philip Fleischer, Thomas Grötz, Andreas Hofer, Maja Körner, Judith Korporaal, Markus Selg, Astrid Sourkova, Thomas Winkler, Ulrich Wulff
The Brotherhood of Subterranea
1. The B.O.S. is a body of initiates in whose hands are concentrated the wisdom and the knowledge of its members.
2. The members of The Brotherhood are known to be:
Jonathan Baldock
Marcus Coates
David Raymond Conroy
Sian Davies
Kaye Donachie
Alasdair Duncan
Dan Ford
Alistair Frost
Ashley Gallant & Matt Chesney
Brian Griffiths
Anne Hardy
Alex Hartley
Paul Johnson
Ben Judd
Meiro Koizumi
Jim Shaw
Mark Titchner
Francis Upritchard
3. The dispersion of the original secret wisdom having led to confusion, it was determined by the members to recombine and centralize their activities, even as white light, divided in a prism, may be recomposed.
4. This exhibition embodies the whole of the secret knowledge of all its members; and its members are initiates of the highest rank, and recognized as such by all capable of such recognition in every country in the world.
5. It was Ben Judd who revived the exoteric organization of the B.O.S. and initiated the plan now happily complete of bringing all occult bodies again under one governance.
6. The letters B.O.S. represent the words Brotherhood of Subterranea but they have also a secret meaning for initiates.
7. The Order is international, and has existing branches in every civilized country of the world.
8. The aims of the B.O.S. can only be understood fully by its highest initiates; but it may be said openly that it teaches Hermetic Science or Occult Knowledge, the Pure and Holy Magick of Light, the Secrets of Mystic attainment, and all other branches of the secret Wisdom of the Ancients.
9. In its bosom repose the Great Mysteries; its brain has resolved all the problems of philosophy and of life.
10. Moreover, it possesses a Secret capable of realizing the world- old dream of the Brotherhood of Man.
Issued by Order,
B. Judd IX°, Grand Secretary General
Curated by Ben Judd, organised by Hermann Gabler.